Dr. Spot: Fragen an das BSM-Experten-Team
Bogensport Magazin



Nach dem Motto „Sie fragen – wir antworten“ veröffentlicht das BSM regelmäßig hilfreiche Tipps rund ums Bogenschießen. Wenn Sie ebenfalls mal Rat & Hilfe unseres Experten-Teams benötigen, lassen Sie es uns gerne wissen: dr.spot@bogensport.de. Im Folgenden lesen Sie Fragen und Antworten aus unserer Ausgabe 1/2025.
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Frage an das Experten-Team:
„Nach dem Wechsel von der Halle zur Freiluftsaison benötige ich relativ viel Zeit, um mich auf den veränderten Winkel der 70 Meterdistanz einzustellen. Ich habe im Bogensport Magazin gelesen, dass die Spitzensportler dafür extra Trainingslager in der Türkei machen, damit sie den Winkel weiter trainieren können. Gibt es einen Tipp, um diesen Winkel auch im kalten Deutschland zu trainieren, wenn man dafür keine Halle zur Verfügung hat?“
Antwort von Lisa Unruh:
Wenn man in den kalten Wintermonaten keine Möglichkeit hat, auf den längeren Distanzen zu trainieren, dann gibt es einen ganz einfachen Trick. Der Schütze stellt sich auf ca. 2 oder 3 m vor die Scheibe und kann dadurch, dass er so nah vor der Scheibe steht, einen Winkel wie auf langer Distanz einnehmen und schießen ohne die Scheibe zu verfehlen. Somit bleibt man in Übung und findet einen schnelleren Wiedereinstieg in die Sommersaison. Außerdem kann man das noch erweitern, indem man kleine Zielpunkte auf die Scheibe anbringt um den Zielvorgang gleich mit einzubauen.
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Frage an das Experten-Team:
„Ich suche für das Schießen in der Freiluftsaison den optimalen Schuh, der möglichst auch wasserdicht ist. Sind beispielsweise wasserdichte Golfschuhe zu empfehlen? Sollte der Schuh eher eine flache Sohle haben, so dass die Zehen am Boden aufliegen und den Stand stabilisieren können? Sollte der Schuh im Bereich des Hackens einen Keil haben, so dass eine leichte Vorwärtslage im Stand unterstützt wird?“
Antwort von Felix Wieser:
Golfschuhe sind defintiv eine sehr gute Wahl. Seit einigen Jahren kann man diese bei immer mehr Schützen auf der ganzen Welt sehen. Ansonsten kann ich auch Crossfit-Schuhe empfehlen, allerdings sind diese nur sehr selten Wasserdicht, dafür aber an heiße Sommertage um ein vielfaches angenehmer. Wie du selbst schon sagst, solltest du bei deiner Wahl auf eine flache Sohle achten. Einen Keil an der Ferse würde ich nicht empfehlen, weil durch Vorwärtslage verschiedene Muskeln in den Beinen und Rumpf angespannt werden, die die Stabilität ebenfalls unterstützen.
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Frage an das Experten-Team:
„An meinem Mittelteil befindet sich vor dem Gewinde für den Button ein weiteres Gewinde in der exakt gleichen Größe. Wofür ist dieses Gewinde?“
Antwort von Felix Wieser:
Dieses Gewinde ist für Pfeilauflagen, die man an den Bogen schrauben kann und der Finger dann nach hinten um den Bogen bis ins Bogenfenster reicht. Solche Pfeilauflagen bieten beispielsweise die Firmen Zniper, AAE und Spigarelli an.
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Frage an das Experten-Team:
„Als ich meine Bogensportkarriere begann, waren Mittelteile aus Carbon das non plus ultra. Bei den Wettkämpfen in Paris sah ich mit einer Ausnahme nur noch Mittelteile aus Aluminium. Wo liegen die Vorteil dieser Mittelteile gegenüber Carbon?“
Antwort von Felix Wieser:
Griffstücke aus Carbon haben in der Praxis nicht pauschal den gewünschten Effekt erzielt. Das geringere Gewicht erübrigt sich, wenn dafür mehr Gewicht an die Stabilisatoren geschraubt wird. Dann ist es für den Hersteller schwierig das Carbon korrekt auszulegen, da das Griffstück schnell zu steif, oder zu weich wird, was wiederrum in einem seltsamem Gefühl für den Schützen resultiert. Zusätzlich ist man eingeschränkter was Design und Farbe angeht und das Ganze meistens zu keinem günstigeren Preis.
Jedoch sind sie auch nicht pauschal „schlechter“. Griffstücke wie das W&W CXT sind seit über 10 Jahren erhältlich und nach wie vor ein beliebtes Model bei vielen asiatischen Schützen. Auch ich habe damit meine ersten nationalen Erfolge erzielt.
Es verhält sich mit Carbon-Mittelteilen also wie mit allen anderen Modellen. Probieren geht über studieren. Wie sich ein Mittelteil anfühlt ist stark abhängig von allen anderen Komponenten und dem Zuggewicht. Wenn dir also eines gefällt, versuch es irgendwo mal zu schießen und entscheide anschließend.
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Frage an das Experten-Team:
„Ist der Weg zu einer Sportschule, in der das Bogenschießen als Leistungssport angeboten wird, sinnvoll? Welches sind die wesentlichen Vorzüge gegenüber dem Vereinssport?“
Antwort von Michelle Kroppen:
Ich würde den Wechsel an eine Sportschule von einigen Faktoren abhängig machen. Wichtig sind dabei die folgenden Fragen:
1. „Was möchte der Athlet erreichen?“ und
2. „Was ist im Heimatverein gegeben bzw. möglich?“
Eine Sportschule kann ein paar Vorteile mit sich bringen. Schule und Sport können verbunden werden, alles ist fußläufig zu erreichen. Eine Sportschule nimmt mehr Rücksicht auf Trainingslager und/oder Wettkämpfe. Dazu kommt, dass ein Sportschüler täglich trainieren kann, während einige Vereine nur ein paar bestimmte Trainingszeiten haben. In den meisten Fällen wird beispielsweise ein Abitur um 1 Jahr gestreckt, damit ausreichend Zeit für Schule und Sport gegeben ist. Aber es ist natürlich auch eine kostspielige Sache. Sportschule und gegebenenfalls Internatskosten sind intensiv. Deswegen bin ich der Meinung, dass ein Wechsel an eine Sportschule zwar Vorteile haben kann, jedoch gut überlegt sein sollte.
Wenn im Heimatverein gute Möglichkeiten gegeben sind, dann ist der Wechsel an eine Sportschule kein Muss. Wenn allerdings das Gefühl entsteht, dass eine Grenze an Entwicklung erreicht wurde, und es keine Fortschritte mehr gibt (so war es persönlich in meiner sportlichen Entwicklung), dann kann über einen eventuellen Wechsel an eine Sportschule nachgedacht werden. Dabei könnte es aber auch ratsam sein, ein Gespräch mit dem Nachwuchs-Bundestrainer zu führen, um gemeinsam nach guten Lösungen zu finden in Hinblick auf eine positive Zukunft.
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1. Schicken Sie uns Ihre Frage per Mail an dr.spot@bogensport.de
2. Bitte stellen Sie pro Mail nur EINE Frage
3. Formulieren Sie Ihre Frage so kurz und verständlich wie möglich